Verweste Liebe

Vereinte Körper. Fast schon Kugelmenschen. Augenscheinlich.
Doch was schlummert unter dem Deckmantel der Liebe und Seelenverwandschaft?
Der Abrieb eines schon zur Verwesung übergegangenen Totenschädels, eine klaffende, eitrige von Maden zerfressene Wunde.

Der unerträgliche Verwesungsgestank hüllt mich ein und ich drohe zu ersticken.
Was hätte von der Liebe übrig sein können wenn sie doch in Wahrheit nie existent war und die Vorstellung allein von ihr frei von jedem Leben.

Sie hätte nie das sein können wofür ich sie hielt. Die Frage nach der Vergänglichkeit der Liebe stellt sich nicht. Nichts was nicht ist kann vergänglich sein. Und doch spüre ich die volle Härte dieser falschen Wirklichkeit.

Zurück zum Kryptonitmann

Ja, ich bin zurückgekehrt, und auch wenn es mich auf lange Sicht innerlich zerreisen wird will ich bei ihm bleiben.
Kryptonit.

Für mich stellt er die Vervollkommnung der männlichen Lust dar. Ich verzehre mich nach seinen Worten, Blicken und Berührungen. Alles was er sagt oder tut bringt mich zum Zittern. Ich will mich ihm gänzlich hingeben und sein sein.

Nicht sein Glied dringt in mich ein, sondern das ganze Universum, mit all seiner Macht und seinem Wissen.

Diese Macht und dieses Wissen übertragen sich augenblicklich auf meinen Körper und ich kann genau zwischen richtig und flasch, gut und böse unterscheiden. Alles beginnt einen Sinn zu ergeben, während seine Seele die meine packt und sie in ein unendliches Meer aus Wahrheit zieht.

Sanft aber bestimmt.

Irdisches verliert seine Bedeutung. Unsere Seelen fliegen an alle Orte der Galaxie und sind doch genau dort wo wir uns befinden.

Zurück in die Gegenwart

Seit einer ganzen Woche habe ich nun nichts mehr von ihm gehört.
Normalerweise bin ich es gewohnt, dass jemand, der an meiner Person Interesse hat, sich meldet.
Sei es nun ein Freund oder nicht.
Doch keine Nachricht bis jetzt.
Ich zweifle auch stark daran, dass ich nochmal von ihm hören werde.
Eigentlich hatte ich den Eindruck, dass unsere bisherigen Treffen irgendwie magisch waren.
Oder hatte ich mir das nur eingebildet? Ich war immer der Meinung, meine Wahrnehmung wäre einigermaßen realitätsbezogen. Doch irgendetwas scheine ich verpasst zu haben.
Ich suche wie eine Verrückte nach einem Fehler den ich gemacht haben könnte, doch mir fällt nichts ein.
Vielleicht sollte ich seine Reaktion (bzw. seine nicht vorhandene Reaktion) nicht zu sehr auf mich beziehen.
Aber unsere Spezies, vor allem das weibliche Geschlecht, ist ja besonders gut darin Dinge auf sich selbst zu beziehen. Ich will mich nicht in Selbstmitleid suhlen. Ich will mich auch nicht vor neuem verschließen. Nach jeder Ablehnung lerne ich ein wenig mehr dazu und weiß wie ich damit umgehen muss um mich selbst nicht zu verlieren. Vielleicht also gar nicht so schlecht?

Rückblick

Einen Absatz, den ich im Sommer 2016 schrieb. Damals hatte ich ein „lockeres Verhältnis“ mit einem Mann, von dem ich wusste, dass wir nicht zusammen passten. Zwar befriedigte er mich sexuell in vollstem Maße, jedoch blieb der geistig/intellektuelle Teil auf der Strecke, weshalb alles von vornerein zum Scheitern verurteilt war.                                                                                                                                        

Dies lag wahrscheinlich auch an seinem mangelden Interesse an meiner Person und seiner stark ausgeprägten egoistischen Seite. Trotzdem hatten sowohl mein Kopf als auch mein Herz  es geschafft verwirrende Gefühle in mir aufkommen zu lassen. Im Nachhinein bin ich mehr als froh, dass dieses Verhältnis nicht mehr besteht und ich mich von ihm lossagen konnte.

 

Ich genieße die Oberflächlichkeit mit ihm. Das dahintreiben. Das „es einfach laufen lassen“.
Es gibt keinen Grund in unserer aktuellen Situation, in unserem abgeklärten Verhältnis, über unsere
innersten, geheimsten Wünsche oder unsere tiefstsitzenden Ängste zu sprechen.
Es passt einfach nicht.
Es passt nicht zu uns, zu unserer Verbindung, zu unserem „Was auch immer“.                 Kein Bedarf.

Wir sind nicht füreinander geschaffen.
Ich werde nie die Mutter seiner Kinder sein.
Er wird nie der Vater meiner Kinder sein.
Es ist ein Spiel auf Zeit, so wie das Leben selbst.
Unsere Zeit wird ablaufen. Was bleiben wird ist ein mehr oder weniger kleiner Herzschmerz, die Erinnerung an seine starken Arme, sein volles Haar und seine perfekten Waden. Der Wahnsinn in seinen Augen, wenn er mich angesehen hat, während er tief in mir versank. So tief ,dass man weinen möchte. Weinen vor Glück, vor Dankbarkeit, dass genau sein Körper von Gott so großzügig beschenkt wurde. In diesen Momenten ist es Liebe. Die reinste und ursprünglichste Form der Liebe, die in mir den Wunsch weckt ihm alles zu schenken was ich besitze. In diesen Momenten lege ich ihm mein Leben zu Füßen, mein Herz, meine Vagina. In diesen Momenten sterbe ich und werde wiedergeboren. Es klingt abgedroschen, aber diese Momente sind magisch, schlichtweg perfekt.

Fragen und Antworten

Ich fragte ihn was in seiner Vorstellung nach dem Tod passieren würde.

Die Frage die mich zur Zeit fast dauerhaft begleitet.

Seine Antwort klang wunderschön und fast schon zu euphemistisch für meine Ohren.

Seiner Meinung nach geht unsere Seele, unser Bewusstsein, nach dem Tod in die Natur über. In Alles. In die Bäume, die Blätter, die Erde, den Wind. Das hatte zunächst wenig mit meiner rationalen Vorstellung vom Tod zu tun und doch denke ich nun ständig an diese Idee. Der Übergang des Seins in die Natur. Solche mystischen Vorstellungen gefallen mir.

Gerade lief ich bei einem Abendspaziergang über die Felder. Während „Dust in the wind“ über meine Kopfhörer durch meinen Schädel klang begann ich zu verstehen. Nicht nur zu verstehen, sondern auch zu fühlen. Der eiskalte Wind, der um mich saußte, bewegte etwas tiefes, ursprüngliches in mir und ich spürte, dass da mehr war als nur Wind und rauschende Blätter waren.

Und ich begann zu weinen.

Vielleicht lag er mit seinem pantheistischen Ansatz gar nicht so falsch. Für diesen seelischen Anstoß danke ich ihm mehr als für jede noch so wundervolle Berührung die er mir in den Stunden zuvor gegeben hatte. Das ist genau die Art von Tiefe, nach der ich in einem Mann suche und die mir schon zu oft verwehrt blieb.

Weiter

Trotz des ganzen Herzschmerzes und Dramas in den letzen Monaten habe ich mich weiter mit Männern getroffen. Meine Neugier und mein Streben nach körperlicher Nähe kann ich kaum stillen. Natürlich waren auch einige langweilige und unerwähnenswerte Männer darunter von welchen ich hier nichts näheres berichten werde.
Momentan bin ich sexuell sehr frustriert und stehe kurz davor irgendwen anzurufen, damit er mir den Verstand rausficken kann. Oder rein. An Verstand und Taktgefühl hat es mir in letzter Zeit eher gemangelt. Vielleicht lag es daran, dass ich zu viel Wert darauf gelegt habe von anderen, vor allem Männern, gemocht zu werden. Es fällt mir aktuell schwer mich selbst in einem positiven Licht zu sehen. Die Ablehnung der letzen Zeit war zu geballt. Nun muss ich mich irgendwie zurück kämpfen.
Letztes Wochenende hatte ich also mal wieder ein Date. Wir hatten vorher kaum geschrieben, weshalb es mir von Vorneherein eigentlich egal war ob er mich leiden konnte oder nicht. Ich ging ganz locker an die Sache ran. Er kam also zu mir. Eine Flasche Havanna, eine Flasche Cola im Gepäck. Sehr gut. Trinken. Das Eis brechen. Als ich ihn das erste Mal sah, wusste ich, dass wir den Alkohol eigentlich nicht brauchten. Ich war selten so einem lässigen Typen begegnet. Als ich mir manchmal vorgestellt hatte, wie ich als Mann gerne wäre, dann ist er das genaue Abbild davon. Die Beschreibung „verdammt cooler Dude“ passt hier wohl wirklich am Besten.
Der Abend begann damit, dass wir uns lange und ausgedehnt unterhielten. Es gab immer etwas zum reden. Keine Sekunde peinliche Stille. Das lag aber vielleicht auch an meinem immer schneller steigendem
Promillewert. Im Nachhinein glaube ich wirklich mehr als nur zu viel Blödsinn geredet zu haben. Er schien mich trotzdem zu mögen. So wie ich eben war. Als er mich dann küsste gab es nicht mehr viel zu reden.
Bis 4 Uhr am Morgen haben wir einfach nur geknutscht. Auch als wir schlafen gingen hörten die Zärtlichkeiten nicht auf. Es war alles so eng, so unglaublich vertraut. Immer wieder drückte er meine Hand. Verdammt fest. Noch nie hatte jemand meine Hand so fest gedrückt. Das ging bis zum Nächsten Tag um 4 Uhr
Nachmittags so weiter. Alles war so ungeheuer zärtlich und liebevoll. Zwischendurch küssten wir uns immer wieder. Ich hätte mich so gerne hingegeben. Doch ich verbot es mir dieses mal selbst. Langsam machen. Nach den zahlreichen Fehlschlägen wollte ich das ausprobieren. Vorher hatte ich mich immer viel zu schnell hergegeben.
Jetzt bin ich verunsichert. Dieses Daten macht einen wahnsinnig. Man bleibt immer in Ungewissheit, selbst wenn man ehrlich ist. Zumindest ich.
Ich würde ihn unglaublich gerne wiedersehen und schauen wie das weitergehen könnte. Aber ich werde mich nicht noch einmal hinreißen lassen mich ihm vor die Füße zu werfen.

Singlelife 2.0

5 lange Jahre habe ich in einer monogamen Beziehung gelebt. 5 lange Jahre lang war ich wie weg vom Fenster.

Plötzlich war ich wieder single und konnte es kaum erwarten mich in neue Abenteuer zu stürzen. Vorrangig mit Männern. Nach einem halben Jahr kontinuierlichen Onlinedatings bekomme ich jedoch immer öfter die Schattenseiten der schnellen, unpersönlichen „Liebe“ zu spüren. 


In diesem Blog möchte ich von meinen persönlichen Erfahrungen mit Onlinedating und dem dadurch ausgelösten schnell vergänglichen Gefühlschaos berichten.